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Forschungs-Impuls

Wettbewerbsklauseln: Ein Anreiz für mehr Leistung?

| 4 Min. Lesezeit

Alexander Kempf

Seminar für ABWL und Finanzierungslehre | Universität zu Köln
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Eines der Hauptinstrumente, mit dem Unternehmen den Arbeitgeberwechsel ihrer Mitarbeiter erschweren, sind Wettbewerbsklauseln in Arbeitsverträgen. Solche – gerade bei gut ausgebildeten und bezahlten Arbeitnehmern häufig eingesetzten – Klauseln untersagen einem scheidenden Arbeitnehmer, innerhalb einer gewissen Frist eine Stelle bei einem Konkurrenten anzunehmen oder ein eigenes Konkurrenzunternehmen zu gründen. Geschlossen werden sie primär mit dem Ziel, die Verbreitung internen Wissens hin zur Konkurrenz zu verhindern. Doch besitzen Wettbewerbsklauseln auch Anreizeffekte für die betroffenen Arbeitnehmer bei ihrem aktuellen Arbeitgeber.

Kurzimpuls

Wie wirken sich Wettbewerbsklauseln auf die Leistung von Arbeitnehmern aus? Diese Frage wird anhand von Daten zu US-Investmentfondsmanagern untersucht, deren Leistung anhand der Anlageperformance besonders gut zu messen ist. Nach einer Verschärfung des Wettbewerbsrechtes kann eine Leistungssteigerung der Fondsmanager beobachtet werden:  Sie konzentrieren sich mehr auf ihre Kernkompetenzen und nehmen von potenziell kostspieligen, wagemutigen Aktionen Abstand. Im Fall einer Abschwächung des Wettbewerbsrechtes können entgegengesetzte Effekte beobachtet werden.

In der Politik wird seit langer Zeit diskutiert, wie sich Einschränkungen der Arbeit­nehmermobilität auf die wirtschaftliche Entwicklung eines Landes oder einer Branche auswirken. Weit weniger bekannt sind die Konsequenzen solcher Wettbewerbsklauseln auf der Ebene einzelner Betroffener. Dabei ist die Frage, wie Wettbewerbsklauseln das Verhalten von Arbeit­nehmern bei ihrem gegenwärtigen Arbeitgeber beeinflussen, angesichts der weiten Ver­breitung von Wettbewerbsklauseln (gerade bei den wichtigsten Mit­arbeitern) aus betriebswirtschaftlicher Sicht von großer Bedeutung.

Anreizeffekte von Wettbewerbsklauseln

Ex ante ist nicht klar, wie sich Änderungen in Wettbewerbsklauseln auf die Leistungen von Arbeitnehmern auswirken. Es konkurrieren zwei widerstreitende Effekte miteinander: Auf der einen Seite können es striktere Wettbewerbsklauseln für einen Arbeitnehmer schwieriger machen, nach Arbeitsplatzverlust wieder eine adäquate Anstellung zu finden – sei es, indem Wettbewerbsklauseln auch bei Kündigungen seitens des Arbeitgebers Anwendung finden, oder dadurch, dass sie die Fluktuation am Arbeitsmarkt und damit die Anzahl der adäquaten offenen Positionen reduzieren. Diese größeren Schwierigkeiten beim Finden eines neuen Arbeitsplatzes sollten dazu führen, dass ein Arbeitnehmer sich mehr anstrengt und eine bessere Leistung abliefert, um so die Wahrscheinlichkeit einer Kündigung zu verringern. Auf der anderen Seite reduzieren striktere Wettbewerbsklauseln aber auch die Aufstiegs- und Gehaltsteigerungsmöglichkeiten von Arbeitnehmern durch Wechsel zu einem konkurrierenden Unternehmen, was ihre Leistungsbereitschaft verringern sollte.

Strategieanpassungen von US-Fondsmanagern bei strikteren Wettbewerbsklauseln

In der Studie von Cici, Hendriok und Kempf (2021) werden Daten zu Fonds und Fondsmanagern in den USA hinsichtlich der Frage ausgewertet, wie sich das Verhalten einzelner Manager ändert, wenn die Durchsetzbarkeit von Wettbewerbsklauseln aufgrund einer Gesetzesänderung verschärft oder abgemildert wird. Dies wird dann mit der Verhaltensänderung von Managern verglichen, die nicht von Gesetzesänderungen betroffen waren.

Eine Verschärfung der Durchsetzbarkeit von Wettbewerbsklauseln führt zu einer deutlichen Steigerung der Performance der betroffenen Fondsmanager im Vergleich zu nicht betroffenen Fondsmanagern.

Fondsmanager sind typische Beispiele für gut ausgebildete und bezahlte Arbeitnehmer, für die Wettbewerbsklauseln üblicherweise Anwendung finden. Außerdem lässt sich für sie besonders gut ihre Leistung anhand der Performance ihrer Fonds beurteilen. Insgesamt führt eine Verschärfung der Durchsetzbarkeit von Wettbewerbsklauseln zu einer deutlichen Steigerung der Performance der betroffenen Fondsmanager im Vergleich zu nicht betroffenen Fondsmanagern. Und genau das Gegenteil zeigt sich, wenn Wettbewerbsklauseln abgeschwächt werden: Die Performance der betroffenen Manager sinkt im Vergleich zu den nicht betroffenen.

Fondsmanager nehmen bei einer Einschränkung ihrer Mobilität durch striktere Wettbewerbsklauseln zwei Strategieanpassungen vor: Zum einen scheinen sie sich stärker auf solche Wertpapiere zu konzentrieren, bei denen sie einen Informationsvorsprung haben. Und zum anderen gehen sie deutlich weniger Risiken ein. Eine Abmilderung von Wettbewerbsklauseln führt zu entsprechend gegenläufigen Reaktionen.

Die Reduzierung des Risikos ist aus Sicht der Fondsmanager ökonomisch hoch rational: Der erwartete Nutzen einer riskanten Anlagestrategie, die potentiell zu einer sehr guten oder aber sehr schlechten Performance führt, sinkt durch verschärfte Wettbewerbsklauseln. Erreicht der Fondsmanager nämlich eine sehr gute Performance, kann er dies nicht so leicht für einen Wechsel zu einem konkurrierenden Unternehmen mit entsprechenden Gehaltssteigerungen nutzen. Erreicht er umgekehrt aber eine extrem schlechte Performance und verliert deshalb seinen Job, wird es für ihn schwieriger, einen neuen Arbeitgeber zu finden.

Wettbewerbsklauseln als Ansporn zu Leistungssteigerungen

Die Studie zeigt insgesamt also eine deutliche Reaktion von Arbeitnehmern auf Veränderungen in der Möglichkeit, den Arbeitgeber zu wechseln. Auch wenn dies nur für Arbeitnehmer einer speziellen Branche gezeigt ist, sind ähnliche Verhaltensreaktionen auch in anderen Branchen zu erwarten. Denn ähnliche Anreizstrukturen mittels Wettbewerbsklauseln greifen auch dort. Da Wettbewerbsklauseln die Arbeitsplatzsuche nach einem Arbeitsplatzverlust erschweren, gilt es, durch gute Leistungen einen Arbeitsplatzverlust zu vermeiden. Die Überlegung, dass sich Top-Leistungen bei strikteren Wettbewerbsklauseln weniger lohnen, da ein Wechsel zu einem konkurrierenden Unternehmen mit entsprechenden Gehaltssteigerungen schwieriger wird, spielt im Vergleich nur eine untergeordnete Rolle. Der Anreiz, sich bei strikteren Wettbewerbsklauseln mehr anzustrengen, ist also dominant.

Cici, G., M. Hendriock, A. Kempf. 2021. The impact of labor mobility restrictions on managerial actions: Evidence from the mutual fund industry. Journal of Banking and Finance 122.

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Aufsatz | 4 Seiten

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