Portrait

Schmalenbach, Schmalenbach-Gesellschaft und Schmalenbachs Zeitschrift für betriebswirtschaftliche Forschung

| 3 Min. Lesezeit

Wolfgang Ballwieser

Ludwig-Maximilians-Universität München
Zum Autor

Die Zeitschrift für betriebswirtschaftliche Forschung (ZfbF) ist ursprünglich aus der Zeitschrift für handelswissenschaftliche Forschung (ZfhF) hervorgegangen. Die ZfhF war die erste betriebswirtschaftliche Fachzeitschrift im deutschsprachigen Raum.

Kurzportrait

Schmalenbachs Zeitschrift für betriebswirtschaftliche Forschung (ZfbF) folgte der methodologischen Idee Eugen Schmalenbachs wie dem Anliegen der Schmalenbach-Gesellschaft für Betriebswirtschaft e.V., betriebswirtschaftliche Theorie und Praxis angemessen zu verbinden. Sie war methodisch und thematisch breit aufgestellt, was im heutigen Ranking nicht zum Vorteil führt, aber dennoch – zumindest im Licht zahlreicher Fachvertreter – höchst angesehen. Für ausländische Autoren wie für auslandsspezifische Themen war sie offen; mit der Schwester Schmalenbach Business Review (SBR) wurde sie spätestens ab dem Jahr 2000 auch problemlos im Ausland lesbar. Die in ihr heraus­ragenden Methoden haben sich im Laufe der Jahrzehnte, wie allgemein in der BWL, stark von deskriptiven oder konzeptionellen Ansätzen zu formalen und statistischen Ansätzen verlagert, aber verbunden mit einem hohen Maß an Selbstreflexion über den Aussagegehalt der Ergebnisse. Mit dem Kontaktstudium der Jahre 1976 bis 2014 und den zahlreichen Sonderheften ab 1972 gelang es, praxis­relevante Themen von (hochkarätigen) Vertretern aus Theorie und Praxis zu behandeln.

Eugen Schmalenbach gründete die Zeitschrift für handelswissenschaftliche Forschung 1906, im Jahr seiner Berufung an die Handelshochschule Köln. Vor al­lem in der Anfangsphase steuerte er nicht nur erhebliche finanzielle Mittel, sondern auch einen großen Teil der Artikel selbst bei. Die Zeitschrift war sein Sprachrohr:

„Was die Zeitschrift sollte, war klar vorgezeichnet, dazu brauchte es keiner großen Über­legung. Sie sollte den Baustein liefern für die Entwicklung des Faches zur Wissenschaft. Zu einer Wissenschaft natürlich, wie ich sie verstand. Eine Betriebswirtschaftslehre nach meinem Sinne musste letzten Endes, unmittelbar oder mittelbar, dem praktischen Betrieb dienen; eine andere Betriebswirtschaftslehre interessierte mich in keiner Weise. Mochte man das, was ich wollte, ruhig Kunstlehre heißen, diese Kunstlehre war gerade das, was mir Wissenschaft war.“

Eugen Schmalenbach 1931

1933 legte Schmalenbach die Herausgeberschaft zugleich mit seinem Lehramt an der Uni­versität zu Köln nieder. Sein Nachfolger wurde Ernst Walb. Der letzte volle Jahrgang war der 38. vom Jahre 1944. 1945 erschien nur noch ein einzelnes Heft. Als im Januar 1949 die ZfhF wieder erscheinen konnte, ge­schah dies zwar unter dem alt vertrauten Titel, aber mit neuer Jahrgangs-Zählung („Neue Folge, 1. Jahrgang 1949“) und – ganz im Sinne Schmalenbachs – „im Auftrage der Schmalenbach-Vereinigung“. Herausgeber war Karl Hax, bis 1970 die Schmalenbach-Gesellschaft die Herausgeber-Funktion auf ein mehrköpfiges Heraus­geber­gremium übertrug.

Die Umbenennung in Schmalenbachs Zeitschrift für betriebswirtschaftliche Forschung erfolgte 1963 auf Beschluss des damaligen Vorstands der Schmalenbach-Gesellschaft für Betriebswirtschaft e.V. mit dem Ziel, die enge Verbindung der Zeit­schrift mit ihrem Gründer sowie ihre Verwurzlung mit der fachwissenschaftlichen Entwicklung durch zwei Änderungen zum Ausdruck zu bringen: Zum einen wurde der Name Schmalenbachs unmittelbar in den Titel aufgenommen. Zum anderen wurde die zwar traditionsreiche, aber doch anachronistische Bezeichnung ‚handelswissenschaft­liche Forschung’ durch ‚betriebswirtschaftliche Forschung’ ersetzt.

2000 wurde die Schwesterzeitschrift Schmalenbach Business Review (SBR) aus der ZfbF ausgegliedert, um dem bereits damals spürbaren Trend zur stärkeren Internationalisierung der betriebswirtschaftlichen Forschung eine vollständig englischsprachige Fachzeitschrift zu bieten. Mit dieser Entscheidung war die SBR die erste aus dem deutschsprachigen Raum stammende BWL-Zeitschrift, die ein Zuhause für englischsprachige Artikel bot.

Schmalenbach Journal of Business Research

Seit dem Jahrgang 73 erscheint die ZfbF unter ihrem englischen Titel Schmalenbach Journal of Business Research (SBUR) in englischer Sprache. Mit diesem Schritt wurde 2021 die SBR wieder mit der ZfbF zusammengeführt. Zudem wird SBUR nunmehr sowohl von der Schmalenbach-Gesellschaft als auch vom Verband der Hochschullehrer für Betriebswirtschaft e. V. (VHB) getragen. Dazu wurde die bisherige Verbandszeitschrift des VHB, Business Research (BuR), mit der ZfbF/SBR verschmolzen, so dass alle drei bisherigen Zeitschriften die SBUR bilden. Schmalenbach-Gesellschaft und VHB sind der Open Science-Philosophie und somit dem freien Zugang zu Fachpublikationen zum effektiven und offenen Informationsaustausch innerhalb der Wissenschaft verpflichtet. SBUR erscheint daher als Gold Open Access; alle Artikel der SBUR sind permanent und frei auf der Website der Zeitschrift erhältlich.

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Aufsatz | 23 Seiten
Beitrag in Heftausgabe

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