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GBP-Monitor: Einschätzungen und Erwartungen deutscher Unternehmer angesichts des Regierungswechsels

| 3 Min. Lesezeit

Jannis Bischof

Lehr­stuhl für Allgemeine Betriebs­wirtschafts­lehre und Unternehmens­rechnung │ Universität Mannheim
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Philipp Dörrenberg

Lehr­stuhl für Allgemeine Betriebs­wirtschafts­lehre und Betriebs­wirtschaft­liche Steuerlehre | Universität Mannheim
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Davud Rostam-Afschar

Area Accounting & Taxation | Universität Mannheim
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Thomas Simon

Lehr­stuhl für Allgemeine Betriebs­wirtschafts­lehre und Rechnungs­wesen | Universität Mannheim
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Dirk Simons

Lehr­stuhl für Allgemeine Betriebs­wirtschafts­lehre und Rechnungs­wesen │ Universität Mannheim
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Johannes Voget

Lehrstuhl für Allgemeine Betriebs­wirtschafts­lehre, Taxation and Finance | Universität Mannheim
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Seit dem Juli 2020 befragt das GBP deutsche Unternehmen regelmäßig zu betriebswirtschaftlich relevanten Themen mit Fokus auf die Bereiche des externen und internen Rechnungswesens sowie der Besteuerung.

Kurzimpuls

Als langfristiges Befragungspanel analysiert das GBP die betriebswirtschaftlichen Einschätzungen und Erwartungen von Unternehmen in Deutschland. Die Ergebnisse bestätigen eine deutliche Verbesserung der unternehmerischen Lage seit dem Frühjahr 2021: Erstmals seit Ausbruch der Pandemie verzeichnet das GBP im Oktober 2021 wieder wachsende Unternehmensgewinne. Dennoch treffen die Unternehmen auch angesichts eines erneut zunehmend dynamischeren Pandemiegeschehens liquiditätssichernde Entscheidungen, indem sie vermehrt Preise erhöhen und Kosten senken. An die zukünftige Bundesregierung senden die Unternehmer ein deutliches Signal: Maßnahmen gegen den Fachkräftemangel und für eine erfolgreiche Digitalisierung halten sie für wichtiger als Steuersenkungen.

Deutliche Verbesserung der betriebswirtschaftlichen Situation seit dem Frühjahr 2021

German Business Panel (GBP)

Während die Gewinne und Umsätze deutscher Unternehmen im Februar 2021 im Vergleich zum Vorjahresmonat noch durchschnittlich um mehr als 20 % zurückgingen, haben sich diese im Laufe des Sommers spürbar erholt. Obwohl die Gewinnveränderung weiterhin hinter der Umsatzentwicklung (+7,66 % im Vergleich zum Vorjahresmonat) zurückbleibt, liegt auch diese im Oktober 2021 zum ersten Mal seit Ausbruch der Pandemie (+1,69 %) auf Wachstumskurs. Trotz aktueller Probleme durch hohe Energiepreise und weitläufige Lieferengpässe durchbricht dieses positive Signal den langanhaltenden Rückgang der Unternehmensgewinne.

Weiterhin hohe Unsicherheit bei zunehmend dynamischerem Pandemieverlauf

Die lange Phase des wirtschaftlichen Abschwungs während der Pandemie schlägt sich auch spürbar in den unternehmerischen Entscheidungen nieder: Mitten in der vierten Corona-Welle treffen die Unternehmen vermehrt bestands- und liquiditätssichernde Maßnahmen, indem sie überwiegend Fixkosten reduzieren und mehrheitlich Preise erhöhen anstatt senken wollen. Die Trendwende bei den Unternehmensgewinnen wird daher vor allem durch Kostensenkungen und Preiserhöhungen und nicht durch Nachfrageeffekte erklärt.

Einige dieser Reaktionen auf die Krise gehen zu Lasten der Zukunft, insbesondere wenn Unternehmen nun vermehrt Aufwendungen für Forschung und Entwicklung kürzen. Die hohe Unsicherheit zeigt sich zudem in einem erheblichen Risiko von Unternehmensschließungen: Der Anteil an Unternehmen, die nach Einschätzung von Wettbewerbern aus derselben Branche innerhalb des kommenden Jahres aus der Geschäftstätigkeit ausscheiden werden, liegt im Oktober 2021 im Mittel noch bei 12,7 %.

Verhaltene Zufriedenheit mit der Wirtschafts- und Corona-Politik der alten Bundesregierung

In Bezug auf die allgemeine Wirtschaftspolitik der aktuell geschäftsführenden Bundesregierung äußern sich die deutschen Unternehmer und Manager verhalten. So liegt die allgemeine Zufriedenheit mit der Wirtschaftspolitik im Herbst konstant nur knapp über 4 Punkten auf einer 10-Punkte Skala. Obgleich speziell die Corona-Politik mit 4,8 Punkten im Mittel etwas besser beurteilt wird, gibt die GBP-Unternehmensstudie Aufschluss darüber, welche wirtschaftlichen Folgen der Pandemie speziell der Politik zur Last gelegt werden. Während die Unternehmen der Politik nämlich die Verpflichtung zu Geschäftsschließungen sowie das Fehlen von Mitarbeitern aufgrund von Schul- und Kindergartenschließungen negativ zuschreiben, werden andere Krisenmaßnahmen wie Home-Office-Verpflichtungen und Digitalisierungszwang auch dann nicht negativ beurteilt, wenn sie mit finanziellen Belastungen einhergehen.

Forderung nach Maßnahmen gegen Fachkräftemangel und für Digitalisierung an zukünftige Koalition

Als zukünftige Bundesregierung präferieren seit der Bundestagswahl am 26. September mehr als 50 % der Unternehmen eine Ampel-Koalition von SPD, Bündnis 90/Die Grünen und FDP, während eine Jamaika-Koalition unter Beteiligung der CDU lediglich von einem Viertel der Manager gewünscht wird. Von der zukünftigen Bundesregierung erwarten die Unternehmer vor allem Maßnahmen gegen den Fachkräftemangel sowie eine Digitalisierungsoffensive. Insbesondere halten deutsche Unternehmer diese Themen für wichtiger als Steuersenkungen. Zusätzlich bekräftigen die Befragungsergebnisse des GBP die Notwendigkeit einer Ausweitung des Klimaschutzes: Demnach halten beinahe 20 % der befragten Manager und Unternehmer die Umsetzung zusätzlicher klimapolitischer Maßnahmen für das drängendste wirtschaftspolitische Thema, während einer Erhöhung des Mindestlohns und dem Abbau von Staatsschulden nur geringe Relevanz beigemessen wird.

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